Interviews
05.12.2006 14:39:42

David Swensen, Yale University: “Aktien sind wichtig, aber Anleger sollten breit streuen”
David Swensen leitet den Stiftungsfonds der US-Elite-Uni Yale. Seine Bilanz ist eindrucksvoll. Rund 16 Prozent hat er seit 1985 im Schnitt pro Jahr erwirtschaftet. FundResearch fragte Swensen exklusiv nach Tipps für Privatanleger.
“Vor 20 Jahren hielten US-Universitäten zuwenig Aktien und waren zuwenig diversifiziert”
FundResearch: Mr. Swensen, in Yale haben Sie in den letzten 20 Jahren eine jährliche Rendite von 16,1 Prozent erzielt. Wie geht das?
Swensen: Harte Arbeit und gesunder Menschenverstand. Aber im Ernst: Ich kam 1985 nach Yale und stellte schnell fest, dass die Universität ihr Geld falsch anlegt. Wie andere US-Universitäten übrigens auch.
FundResearch: Inwiefern falsch angelegt?
Swensen: US-Universitäten hielten damals rund 50 Prozent in US-Aktien sowie 40 Prozent in US-Bonds und Cash. Das restliche Kapital steckte in alternativen Anlagen.
FundResearch: Was war daran falsch?
Swensen: Ein derartiges Portfolio verfehlt zwei wichtige Kriterien: Es enthält zuwenig Aktien und ist zuwenig diversifiziert.
“Das Yale-Portfolio ist heute wenig US-lastig, breit diversifiziert und enthält renditestarke Anlageklassen”
FundResearch: Weil Aktien auf lange Sicht Anleihen schlagen?
Swensen: Richtig, und weil ein US-Anteil von 90 Prozent viel zu hoch ist. Denn steigen beispielsweise die US-Zinsen, fallen die Kurse von amerikanischen Aktien und Bonds. Das ist keine gute Risikostreuung.
FundResearch: Wie sieht das Yale-Portfolio heute aus?
Swensen: Völlig anders als 1985. Heute halten wir zwölf Prozent in US-Aktien, 15 Prozent in ausländischen Aktien und vier Prozent in US-Bonds.
FundResearch: Fehlen noch 69 Prozent.
Swensen: Die setzen sich zusammen aus 25 Prozent Absolute Return respektive Hedgefonds, 27 Prozent Immobilien, Öl, Gas und Wald sowie 17 Prozent Private Equity. Damit haben wir unseren Maßstab erfüllt. Das Yale-Portfolio ist wenig US-lastig, breit diversifiziert und enthält zugleich renditestarke Anlageklassen, die aktienähnliche Erträge bringen.
“Aktien sind wichtig, aber Anleger sollten breit streuen”
FundResearch: Was können Privatanleger von David Swensen lernen?
Swensen: Es gibt drei Wege, Performance zu erzielen: Die Asset Allocation, das Market Timing und die Auswahl von Einzeltiteln. Alle drei haben jedoch ihre Tücken.
FundResearch: Fangen wir an mit der Asset Allokation. Wo liegt hier das Problem?
Swensen: Aktien schneiden auf Dauer besser ab als Anleihen. Das habe ich schon angedeutet. Nebenwerte schneiden aber wiederum besser ab als Blue Chips. Hier bestätigt die Empirie die Theorie: Wer höhere Risiken eingeht, wird dafür belohnt.
FundResearch: Man sollte also am besten nur noch in Small Caps investieren?
Swensen: Dieser Gedanke mag auf den ersten Blick naheliegen. Aber schauen wir zurück auf das Jahr 1929. Damals brach eine Weltwirtschaftskrise aus und die Aktienkurse verloren dramatisch. Am stärksten die Small Caps. Drei Jahre nach dem Crash waren sie kaum noch etwas wert.
FundResearch: Wie lautet daher Ihre Schlussfolgerung?
Swensen: Eine starkes Engagement in Aktien ist wichtig. Aber Anleger sollten nie vergessen, breit zu streuen. Denn bestimmte Länder, Sektoren oder Marktsegmente wie Nebenwerte oder Blue Chips erleiden immer wieder Kurseinbrüche. Das ist unvermeidlich. Mit einer breiten Streuung vermeidet man starke Verluste.
“Anleger sollten eine langfristige Asset Allokation bestimmen und diese regelmäßig wieder herstellen”
FundResearch: Fahren wir fort mit dem Market Timing. Wo liegen dort die Fallstricke?
Swensen: Anleger verhalten sich nicht rational, sondern sind getrieben von Angst und Gier. Das zeigte das Jahr 1987 sehr gut. Im Oktober des Jahres verloren US-Aktien an einem Tag 25 Prozent. US-Universitäten, die zuvor stark auf Aktien gesetzt hatten, wechselten plötzlich in Anleihen, dem vermeintlich sicheren Hafen.
FundResearch: Wo lag der Fehler?
Swensen: Sie haben Aktien verkauft, als sie billig waren, und Bonds gekauft, als diese teuer waren. Anders gesagt: Die US-Universitäten haben auf dem Tief verkauft und dem Hoch gekauft. So wird man kaum reich. Es sollte genau anders herum sein: Man kauft billig und verkauft teuer.
FundResearch: Wie können Kleinanleger dieses Timing-Problem umschiffen?
Swensen: Sie sollten eine langfristige Asset Allokation bestimmen und diese Aufteilung regelmäßig wieder herstellen. Das heißt, wenn einige Anlageklassen schlecht gelaufen sind, sollten sie diese aufstocken. Umgekehrt sollten sie Anlageklassen reduzieren, wenn diese gut performt haben.
FundResearch: Was heißt regelmäßig?
Swensen: Halbjährlich oder jährlich. Bei starken Markteinbrüchen oder Kursanstiegen wie 2000 sollten Anleger jedoch zeitnah reagieren, um Chancen zu nutzen oder bevorstehende Einbrüche zu vermeiden.
“Privatanlegern rate ich zu Indexfonds”
FundResearch: Was ist mit der Auswahl von Einzeltiteln? Wie lautet hier Ihr Rat für Anleger?
Swensen: Daten über zehn Jahre zeigen, dass der Unterschied zwischen den besten und den schlechtesten Rentenfonds pro Jahr nur 0,5 Prozent beträgt. Bei Blue-Chip-Aktienfonds beträgt die Differenz 2,0 Prozent. Erst bei ineffizienten Anlageklassen wie Hedgefonds oder Private Equity sind die besten Manager deutlich besser als der Durchschnitt. Hier schauen wir genau hin, um die besten Manager zu finden.
FundResearch: Unglücklicherweise haben Privatanleger nicht die Expertise von Yale.
Swensen: Das stimmt. Was Yale kann, ist einem Kleinanleger nicht möglich. Schließlich haben diese Leute einen anderen Job und können sich nicht ständig um ihre Finanzen kümmern. Auch wir müssen uns ungeheuer anstrengen, um die besten aktiven Manager herauszufiltern.
FundResearch: Was folgt daraus für Privatanleger?
Swensen: Aktive Fonds schaffen es nicht, dauerhaft ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Das ist empirisch bewiesen. Daher rate ich zu Indexfonds, die zudem geringere Kosten haben.
Das aktuelle Yale-Portfolio:
1. “Real Assets” (Immobilien, Öl, Gas und Wald): 27%
2. Absolute Return (incl. Hedgefonds): 25%
3. Private Equity 17%
4. Ausländischen Aktien: 15%
5. US-Aktien: 12%
6. US-Anleihen: 4%
Im Profil: David F. Swensen
David F. Swensen ist seit 1985 Chief Investment Officer der Universität Yale und verwaltet das Stiftungsvermögen der US-Elite-Uni. In den letzten zwei Jahrzehnten erzielte Swensen eine jährliche Rendite von rund 16 Prozent. Folge: Das Uni-Vermögen wuchs inzwischen auf über 18 Milliarden US-Dollar an. Zuvor hat Swensen 1980 in Yale promoviert und sechs Jahre an der Wall Street gearbeitet. Swensen ist Autor von “Proaktive Portfoliostrategien: Innovative und erfolgreiche Wege im institutionellen Investment”. Sein neues Buch heißt “Erfolgreich investieren: Strategien für Privatanleger” und erscheint am 17. Januar 2007. Darin kritisiert er die US-Finanzindustrie und gibt Privatanlegern grundlegende Tipps, worauf sie beim Investieren achten sollten.
Quelle: